Freitag, 17. Juli 2015

365 Tage

Der 17. Juli wird nie mehr einfach so ein Datum sein.

Ich weiss nun auch, dass es nicht ganz stimmt, was alle sagen: Dass die Zeit alle Wunden heilt. Die Narbe nämlich bleibt, die Narbe die sich an dem Ort befindet, wo zuvor die Wunde war und die zwar verblassen, aber nie mehr ganz verschwinden wird.

Nur Liebe und Tod ändern alles. 

Wo viel, ja wo die grosse Liebe ist, führt Verlust zu viel, ja zu grosser Trauer. Die Tiefe der Trauer beweist die Tiefe der Liebe. 

Betroffene haben erfahren, wie dunkel die Nacht ist - und wie lang der Tag, wenn die Trauer alles beherrscht, wenn der Verlust jedes andere Gefühl vertreibt, wenn die Hoffnungslosigkeit überhand nimmt. 

Am 17. Juli 2014 starben 298 Menschen. Und gleichzeitig starben Träume, unzählige Träume. In Malaysia blieben ein Haus leer, das Monate zuvor gekauft wurde und der erste Schritt in ein neues Leben einer niederländischen Grossfamilie bedeuteten sollte. In Australien wartete ein betagtes Ehepaar darauf, seine Kinder und Enkelkinder nach vielen Jahren endlich wieder in die Arme schliessen zu können. In Christchurch blieb die Hochzeitssuite leer, in Canberra wurde ein junger Student nicht nur Waise, sondern verlor gleichzeitig auch seine 3 Brüder und 2 Schwestern. 

Nach den Sommerferien blieben viele Plätze leer. Plätze im Ehebett, am Familientisch, Plätze im Schulzimmer, im Kindergarten. Plätze in der Physiotherapiepraxis, im Lehrerzimmer und im Tonstudio. 

Der Schmerz, den dieser Abschied in unseren Herzen hinterlassen hat, ist ein Stück von uns, das ihnen gehört.