Sonntag, 1. März 2015

Liebe Trendöline,

...und liebe Quitta, Libi, Chimamanda, Chineze, Clodagh, lieber Klodian

Ich widme euch diesen Blogbeitrag, aber ich richte mich auch an Adolf, Avanti, Brilantina, Bekanti, Makbuleguel, Darlington und an alle anderen Kinder, die laut Statistik zwischen 1987 und 2013 im Kanton Zürich zur Welt kamen mit einem Namen, bei dem sich bei mir nicht nur die Augenbrauen zusammenziehen.


Bitte vergebt euren Papas und Mamas.

Während einer Schwangerschaft passieren nicht nur seltsame Sachen mit Mama, sondern auch mit Papa. Bei Mama sind es die Hormone. Hormone sind chemische Botenstoffe, die nicht nur dafür sorgen, dass Mama in Tränen ausbricht, wenn die Handtücher nicht auf die richtige Art und Weise zusammengefaltet wurden. Sie sorgen auch dafür, dass Mama den Papa ins Pfefferland wünscht, wenn er während der Schwangerschaft in ihrer Nähe Lakritz isst, an der Tankstelle das Autofenster nicht ganz schliesst oder bestimmte Musik hört.

Diese Hormone sorgen dafür, dass Mama 35 hellblaue oder rosa Strampler kauft, die sie mit Waschpulver für besonders empfindliche Haut wäscht und fein säuberlich gefaltet fast schon andächtig in den Schrank legt. Der Schrank steht in deinem Babyzimmer, das nach allen Regeln der Kunst eingerichtet wurde.
Dieselben Hormone sorgen dafür, dass Mama gut für dich sorgt und dich nicht in deinem Bettchen liegen lässt, wenn du weinst und Hunger hast.

Du siehst, Hormone sind also auch eine gute Sache!

Papa hat diese Hormone zwar nicht in dem Ausmass wie Mama, aber er fürchtet sich davor, dass Mama ihn verlässt, wenn er auch nur ein ganz kleines bisschen zu rasch oder zu ungestüm über ihre Haare streicht.
Wissenschaftler bestätigen heutzutage die Tatsache, dass auch Papas Schwangerschaftssymptome wie Gewichtszunahme oder Stimmungsschwankungen aufweisen.

Addiere nun all diese Tatsachen und du wirst vielleicht verstehen, weshalb du Trendöline heisst. Oder Chineze. Oder Libi, was hoffentlich keine Abkürzung von Libido ist, aber wer weiss das schon so genau.

Ach ja, und die Zivilstandsbeamten, die hätten intervenieren können, hmm ja, die gibt es tatsächlich. Aber unter ihnen gibt es keine Marketingspezialisten, sonst hättest du wohl kaum den Namen Klodian bekommen, denn jemand mit diesem Vornamen wird selten Chefredaktor bei der NZZ oder Mediensprecher der SBB.

Es ist ein bisschen lästig, aber es ist nun mal so, dein Name steht auf deiner Geburtsurkunde und bald in deinem Pass und du musst die kommenden Jahre damit umzugehen lernen.

Makbuleguel wirst du immer buchstabieren müssen und vielleicht wird man dich auslachen, weil du Darlington heisst.

Glücklicherweise gibt es in der Schweiz die Möglichkeit einer Namensänderung.
Die Kosten (Sfr. 600.- im Kanton ZH) könntest du eventuell auf deine Eltern abwälzen.
Immerhin waren sie nicht ganz zurechnungsfähig und standen zur Zeit der Straftat unter Hormoneinfluss.

Trotzdem sind und bleiben sie deine Eltern und ja...auch Eltern machen Fehler.