Donnerstag, 4. September 2014

Philosophie beim Spaziergang mit dem Hund.

Gestern lief ich mit dem Hund durch unseren wunderschönen Stadtkreis. 

Beim Schulhaus spielten einige Kinder Gummitwist. Wie ruhig und idyllisch, dachte ich noch. 

Plötzlich blieb ich stehen. Neben "Himmel und Hölle" stand mit grossen rosa Buchstaben "ISIS" auf den Bodenplatten geschrieben.

Ich erschrak.

Erst dann sah ich die roten Herzen neben dem Namen.

Und ich realisierte: Es gibt an dieser Schule ein Kind, das Isis heisst.

Es gibt hier keine Isis-Sympathisanten, Mensch.

Ausserdem nennt sich die ISIS neuerdings IS, was nichts daran ändert, dass deren Taten grauenvoll sind, aber für die meisten alle Isisse dieser Welt ist diese Namensänderung doch sicherlich eine Beruhigung.

Ich gebe es zu: Ich fühlte etwas Mitleid mit Isis` Mutter, als ich diesen rosaroten Kreidenamen auf dem Schulhof sah.
Genauso wie ich eine letztes Jahr Kinder mit dem Namen "Carlos" bemitleidete.
Und wenn sich jemand mit dem Namen Christoph bei mir vorstellt, kriege ich akuten Juckreiz, weil ich immer an den bekennenden Pädophilen Christoph Egger denken muss.


Kürzlich lernte ich eine tolle junge Frau kennen. Sie heisst Verona und immer wenn ich an sie denke geht mir der Satz "Wann macht er denn endlich Blubb?" durch den Kopf.

Seinem Kind einen Namen geben zu dürfen ist doch eine wunderbare Sache. Ein schöner aber verantwortungsvoller Zeitvertreib während der Schwangerschaft. Ob man will oder nicht, die Suche nach einem Namen für ein Kind ist immer auch eine Übung in erweitertem Exhibitionismus.

Jeder Mensch hat einen Namen. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber bei bestimmten Namen denke ich an bestimmte Personen oder Ereignisse.


Namen beeinflussen auf erstaunliche Weise, wie wir handeln und behandelt werden, wie wir uns fühlen und uns selber sehen. Dass in Deutschland eine Julia, von der man nichts weiss ausser ihren Namen, nur aufgrund dieses Namens intelligent erscheint und eine Elfriede dumm, war das Resultat einer Befragung aus dem Jahr 1999, und dass Kevin aus gutem Grund allein zu Hause ist, zeigte 2011 eine Analyse der Klickraten einer Online-Dating-Site: Dort klickten die Frauen den Namen Alexander doppelt so häufig an.


Heutzutage nennt wohl kaum jemand sein Kind "Adolf". 
In der Schweiz war Adolf bis in die späten 1930er Jahre aber ein moderat häufiger Name. Seine Popularität begann Anfang des Zweiten Weltkriegs zu sinken, jedoch nur langsam. Noch in den 1950er Jahren kamen in der Schweiz jedes Jahr Dutzende von Adolfs auf die Welt. Andere Vornamen historischer Schurken Personen hingegen gingen schadlos aus der Geschichte hervor. Josef, Augusto oder Erich mögen nicht die populärsten Vornamen sein, doch trotz Stalin, Pinochet oder Honecker blieben sie unbefleckt.

Wenn man den zukünftigen Vornamen seines ungeborenen Kindes bestimmt, kann man ja noch nicht wissen, welche Assoziationen dieser Name 10 oder 15 Jahre später auslöst.

Da nennt man das allersüsseste Baby der Welt Gerold und kaum geht der kleine Gerold in den Kindergarten, da erschiesst ein gewisser Gerold Stadler seine Frau. Um das Kind nicht allzusehr zu traumatisieren entscheiden sich die Eltern, dem Kind künftig den Kurznamen Geri zu geben und wieder ein paar Jahre später - Gerold / Geri ist mittlerweile in der Pubertät- steht ein anderer Geri  wegen Nacktselfies wochenlang im medialen Rampenlicht.

Was tun die Eltern in einem solchen Fall? Was tut man selbst, wenn der eigene Vorname auf die eine oder andere Art beschmutzt wird?
Man steht drüber. Ganz klar.

Deshalb brauche ich auch kein Mitleid mit der Mutter von Isis zu haben. Mitleid zu haben ist in diesem Fall sogar ziemlich anmassend. Darüber dachte ich gestern nach. Beim Spaziergang mit dem Hund. 





Quellen zu den Vornamenstudien: http://www.vorname.com/news_Vornamen-Studie.html

http://www.beliebte-vornamen.de/211-soziale-wahrnehmung.htm

http://www.welt.de/vermischtes/article4550763/Achtung-diese-Vornamen-schaden-Ihrem-Kind.html

http://www.zeit.de/2014/01/namen-sympathie