Sonntag, 29. Dezember 2013

Stöckchen

Zora Debrunner warf mir ein Stöckchen zu und - man staune - ich habe es gefangen!

Ihre Fragen an mich:

1. worüber hast Du dich auf Twitter 2013 am meisten gefreut?
2. Worüber hast Du dich geärgert?
3. Ganz ehrlich, was bedeutet Dir Facebook?
4. Welche Zeitschriften und Zeitungen liest Du?
5. Wie sehen Social Media in fünf Jahren aus?

Dazu gebe ich doch gerne meinen Senf auch wenn ich dabei in den Verdacht komme, ein Würstchen zu sein :

1. worüber hast Du dich auf Twitter 2013 am meisten gefreut?
Dass ich endlich den Mut hatte, einen CH Account zu machen, nachdem ich jahrelang nur in Niederländisch getwittert hatte.

2. Worüber hast Du dich geärgert?
Grundsätzlich ärgere ich mich nicht so rasch und wenn doch, dann bin ich so frei, die Blockierfunktion zu verwenden.

3. Ganz ehrlich, was bedeutet Dir Facebook?
Facebook verwende ich privat vor allem um den Kontakt zu meinen Verwandten und Freunden in den Niederlanden zu pflegen.

4. Welche Zeitschriften und Zeitungen liest Du?
Ich lese alles, was mir in die Hände bzw unter die Augen kommt. Leseratte ist mein zweiter Vorname. Früher nervte ich meine Mitbewohner, weil ich immer Teletext lesen wollte. Heute sind es Onlinenews, Zeitungen (SG Tagblatt, Tages-Anzeiger, Quartierzeitungen) und Zeitschriften (CT, Zeitschriften über Psychologie / Psychiatrie, niederländische Zeitschriften wie FLOW und Libelle)

5. Wie sehen Social Media in fünf Jahren aus?
Gute Frage:) Ich habe leider keine prophetische Gabe, aber Social Media werden intelligenter sein (aufgrund meines Standortes und / oder meiner konsumierten Medien schon “wissen” worüber ich twittern möchte) sie werden wohl mehr in unser Leben integriert werden –> Google Glass oder ähnliche Neuerungen.




Gefreut habe ich mich auch über Kontakte, die via Twitter, Google+ und Facebook entstanden sind. So habe ich im Sommer Shawn Willden aus Colorado kennengelernt. Im Dezember lernte ich Anna Maija kennen, eine tolle, sehr interessante Frau aus meiner eigenen Stadt. Viele Leute lernte ich über meine Facebooksite "Antikes und verschwundenes St. Gallen" kennen. Es sind ausnahmslos wertvolle Menschen, engagierte und tolle Frauen und Männer.


Leider hat @dreizehntel keinen Blog, sonst würde ich das Stöckchen gerne in ihre Richtung werfen.

Ich gebe das Stöckchen weiter an alle, die es fangen möchten und an

*Romi Staub @Hofnaerrin
*Marco Tedaldi @medienkommentar
*HD Zimmermann @hdzimmermann


Meine Fragen an euch:

1. Was hast du im Jahr 2013 erstmals gemacht / erlebt? 
2. Was willst du am 29.12.2014 in deinen Jahresrückblick schreiben können?
3. Was ist das beste Buch / der beste Artikel, das / den du im vergangenen Jahr gelesen hast?
4. Was hast du im vergangenen Jahr zuviel getan und was zuwenig?
5. Wenn du im 2014 eine beliebige Fähigkeit erlernen könntest, welche wäre das? 




Montag, 23. Dezember 2013

Schnee von gestern. Genau.

Im Jahr 1984 hörte ich erstmals den Namen Nelson Mandela. Im Radio. In einem Lied (obwohl "Lied" wohl nicht das richtige Wort ist für diesen Protestsong)







Ich fragte mich: "Wer is denn eigentlich Nelson Mandela?"

Und ich googelte seinen Namen.

Ah. Nein.

Ich frage mich ernsthaft, wie ich solche Sachen machte, damals ohne Internet. Erschreckend finde ich es auch, dass man sich enorm rasch gewöhnt an Google, Wikipedia und Co und sich nicht oder kaum mehr vorstellen kann, wie es "früher" war.

Holte ich ein Buch aus der Bibliothek um nachlesen zu können, wer Nelson Mandela war? Fragte ich meine Eltern? Wahrscheinlich.

Ah. Nein.

Wahrscheinlich nicht, jedenfalls nicht in diesem Fall, da war ich nämlich knapp 18 Jahre alt und wohnte nicht mehr bei den Eltern zuhause. Und die Jahre zuvor waren die einzigen Fragen, die ich zuhause stellte, wann ich zuhause sein musste und wann es Abendessen gab.

Ehrlich gesagt dachte ich wahrscheinlich ganz einfach: "Ich werde irgendwann schon herausfinden, wer Nelson Mandela ist" und ging jeden Tag ins Krankenhaus, wo ich gerade ein Praktikum absolvierte. Oder ich fragte eine meiner Arbeitskolleginnen. Oder ich las den Namen Nelson Mandela in der Zeitung, denn ein Newsjunkie war ich schon damals.

"Wolltest du auch unbedingt ein Handy, als du 12 warst?", fragte mich mein Sohn vor einigen Jahren.
"Damals gab es noch gar keine Handys", erklärte ich ihm. "Wir hatten zuhause zwar ein Telefon, aber das hing im Flur und da war ein nicht allzu langes Kabel dran, sodass wir stehend im kalten Flur telefonieren mussten"

Später gab es ein Telefon im Wohnzimmer. Es hing nicht mehr an der Wand, sondern stand mit seinem langen Kabel auf dem TV-Tischchen und man konnte bequem auf dem Sofa sitzen, während Oma anrief. Fortschritt. Wahnsinn.

Im Jahr 1979 hatte ich einen Radio-Kassettenrecorder bekommen. Ein grosses, dunkelgrünes Gerät von Philips. Der Recorder stand auf einem Holzbrett am Fussende meines Bettes. Wenn im Radio ein schönes Lied angesagt wurde, hechtete ich vom Stuhl, Bett oder Boden in Richtung Kassettenrecorder, landete auf dem Bauch auf meinem Bett und drückte mit meinen beiden Zeigefingern auf die richtigen Knöpfe, Play und Rec.
Und dann die Euphorie; Endlich DAS eine schöne Lied aufnehmen. Und zugleich der Stress: Stand das Kassettenbändchen in der richtigen Position bereit, genau am Ende des letzten Liedes? Und die Sorgen: Hoffentlich fängt der Moderator nicht so früh mit sprechen an, sodass das Ende des Liedes noch sauber auf der Kassette ist.

Herrlich war sie, diese Kassettenzeit. Wunderbar, sich die schönsten Lieder aus dem Radio hintereinander anhören zu können  - dazwischen immer ein lautes Klackgeräusch.

Und 35 Jahre später ist es immer noch so, dass wenn ich "YMCA" im Radio höre, ich danach gleich "Message in a Bottle" zu singen beginne, weil diese Lieder damals hintereinander auf der Kassette drauf waren.

Schnee von gestern.

Im Jahr 1982, also noch vor dem Free-Mandela-Song, kaufte ich zusammen mit meiner damaligen Klassenkameradin Patrizia ein Interrail-Ticket. Wir hätten damit durch halb Europa reisen können, doch unser Ziel hiess Dinteloord in den Niederlanden. Dinteloord, der Ort meiner Kindheit- der Ort, in dem noch heute meine Oma und der grösste Teil meiner Verwandtschaft wohnen.
Wir reisten via Brüssel und ich weiss noch gut, dass sich die Eltern von Patrizia Sorgen darüber machten, dass wir uns in Brüssel verirren könnten. Dabei mussten wir nur von Gleis 7 auf Gleis 4 wechseln und hatten absolut NICHT vor, in Brüssel etwas anderes zu tun als um zu steigen auf den Zug nach Roosendaal.

Sobald wir in Dinteloord angekommen waren, riefen wir zuhause an. Wir hätten auch aus Paris anrufen können, denn die Rufnummeranzeige gab es damals ja noch nicht, also konnten unsere Eltern auch nicht kontrollieren, woher wir anriefen. Aber auf solche Ideen kamen wir erst gar nicht.

Meine 17 jährige Tochter reiste im vergangenen Jahr zwei mal nach London- einmal zusamen mit einer Freundin, das zweite Mal ganz alleine. Sie hat in dieser Zeit (1 Woche bzw 10 Tage) nie angerufen, aber wir waren per Whatsapp / Facebook miteinander verbunden. Ich musste auch nicht warten, bis die Filme der Kamera abgegeben und entwickelt wurden, sondern konnte 1:1 miterleben, was sie in London sah und erlebte.

Kürzlich fuhren Marco und ich zu Ikea. Ich hatte mein Handy zuhause vergessen - das passiert mir sonst nie.
Pfff.... ich kam richtig ins Schwitzen als ich im Bus twittern wollte und feststellte, dass das Handy wohl noch zuhause in der Küche lag.

Ach was...früher ging es auch ohne Handy, also würde ich diese 2 Stunden bei Ikea wohl auch überleben.
Naja, was soll ich sagen? Ich fand es schade, dass ich keine Fotos von den neuen Stöffchen machen konnte (für meine Freundin Paola, wir whatsappen uns #ausgründen immer mal wieder die neuen Stoffmuster von Ikea zu). Und ich fand es doof, dass ich meine Tochter nicht darüber informieren konnte, wo wir uns später treffen würde. Zum Glück hatte Marco ja sein Handy mit dabei und konnte er Svenja mitteilen:"14.30 Uhr vor der Bäckerei Kuhn?" Svenja, die zu diesem Zeitpunkt noch zuhause war, schrieb zurück: "Ok"
Ich packte die Gelegenheit beim Schopf, nahm Marcos Handy und schrieb: "Hee Svenja, Mami hier. Kannst du dann auch bitte gleich mein Handy aus der Küche mitbringen?"


Freitag, 6. Dezember 2013

Dem Peter sein Velo ist blau


Mariska. So hiess meine allererste Freundin.Mariska war hübsch, blond und lieb. Sie war mein Nachbarsmädchen.
Bei ihr zuhause wurde vor dem Essen gebetet und nach dem Essen gedankt, wie das in evangelischen Kreisen in den Niederlanden so üblich ist. Ich war fasziniert. Von den Gebeten, von den wie auf Kommando gefalteten Händen. Von der Kinderbibel, aus der nach dem Essen immer vorgelesen wurde. Und von Mariska.

Mein Vater war damals Baustellenelektriker und bis zu meiner Einschulung zogen wir alle 9-15 Monate um - von einer Grossbaustelle zur nächsten.
Die Freundschaft zwischen Mariska und mir war also nicht von langer Dauer. Aber ich habe Mariska nie vergessen. Dass ich sie an Weihnachten 2010 nach 42 Jahren wieder traf, ist eine andere Geschichte.

Meine Puppen hiessen Mariska. Alle. 
Und für mich war klar: Sollte ich jemals eine Mädchenmama werden, würde mein Baby den Namen "Mariska" bekommen.

Im Jahr 1980 zogen meine Eltern, meine Schwester und ich in die Schweiz. In das Land also, aus dem die Grosseltern meines Vaters stammen. 

Schon nach wenigen Wochen musste ich einen Traum aufgeben. Mir wurde klar, dass ich - sollte ich in der Schweiz wohnen bleiben - niemals Mama einer Tochter mit dem Namen Mariska werden würde.

Ich war schockiert darüber, wie die Schweizer bestimmte Namen aussprechen: Aus "Cristina" machten sie "Ch-risch-tina" und aus "Saskia" ein hässliches "Sas-k-ch-iaa"

Nein. Das wollte ich meiner Tochter NICHT antun. Mariska ist ein wunderschöner Name, Maris-k-cha jedoch hört sich nach einer gründlich missratenen Apfeltorte an.

Mittlerweile wohne ich seit 33 Jahren im "Land meiner Väter" und noch immer ärgere ich mich so manches Mal über die Aussprache vieler Schweizer.

Oh ja, ich kenne die ganzen Diskussionen darüber, ob das Schweizerhochdeutsch nun einen "Emil-Bonus" hat oder nicht. Oh ja, ich weiss, dass man auch innerhalb Deutschlands an der Sprache eines Menschen erkennen kann, wo er aufgewachsen ist. Und ja, auch die Österreicher haben ihren unverwechselbaren Akzent, das ist mir durchaus bewusst.

Wenn aber Schweizer Politiker das rustikal anmutende Schweizerhochdeutsch mit inkorrektem Deutsch mischen, richten sich meine Nackenhaare auf.

Das doch etwas spezielle "Hochdeutsch" von Frau Bundesrätin Doris Leuthard war schon mal Thema in den  Medien. Gestern hörte ich die Nachrichten auf SRF1, Frau Heidi Grau, Diplomatin, kam zu Wort und sagte: "...von dem her..." 

Da waren sie wieder. Die Nackenhaare.

Dieses unsinnige Vondemher verbreitet sich mittlerweile im ganzen Land. Immer wieder wird vondemhert, als hätte es ein "daher" oder "deshalb" nie gegeben.

Genauso verhält es sich mit den Politikern, die sagen, dass sie "überzeugt sind, dass ....." 
Da fehlt doch etwas! Genau! Da fehlt ein "davon". Ich bin davon überzeugt, dass....

In Bezug auf die Überzeugung gibt es aber noch eine (schweizerische!) Steigerung. In der Schweiz haben Menschen manchmal eine so starke Meinung, dass sie von einer Sache überzogen sind.
In Deutschland gibt man sich damit zufrieden, überzeugt zu sein.
Wenn ich höre, dass Politiker von etwas "total überzogen" sind, stelle ich mir gerne Herrn Blocher vor. 

Überzogen mit einer Schoggischicht. 

Natürlich von Lindt.


Dienstag, 3. Dezember 2013

Neuland? Ja

"Das Internet ist für uns alle Neuland" – mit dieser Äusserung hat Angela Merkel vor einem halben Jahr die Welt erstaunt.


Ich gebe es offen zu: Am Anfang habe ich über "Neuland" gelacht.
In den letzten 6 Monaten musste ich aber immer wieder feststellen, dass Mail oder twitter für bestimmte Institutionen oder Firmen tatsächlich noch immer Neuland sind.
Ein Beispiel:
Während des morgendlichen Spaziergangs mit unserem Hund entdecke ich ein herrenloses Fahrrad. Es steht ohne Fahrradschloss an einem Gartenzaun angelehnt. Ich informiere die Stadtpolizei unserer schmucken Kleinstadt via twitter darüber: "An der ABCstrasse steht ein schwarzes Fahrrad mit der Aufschrift XY ohne Schloss, ev vermisst es jemand #Diebstahl"
Einige Minuten später kommt tatsächlich eine Antwort.
"Bitte teilen Sie uns solche Beobachtungen per Telefon mit"
Ich staune. Manchmal sitze ich im Bus und beobachte Sachen, die sich nicht alle Passagiere unbedingt mit anhören müssen. Da es sich nicht um Notfälle handelt, möchte ich zudem nicht die Telefonleitung der Polizei blockieren, sondern einfach nur eine Meldung machen.
Für Meldungen über Falschparkierer, eisglatte Strassen oder illegal entsorgten Müll würde sich twitter meiner Meinung sehr gut eignen. Diese Meldungen müssen- im Gegensatz zu den telefonischen - nicht sofort bearbeitet / beantwortet werden. 

Beispiel VBSG:
Ich schrieb eine Mail an die Verkehrsbetriebe der Stadt St. Gallen, weil eine bestimmte Ansage im Bus immer zu spät erfolgte und man nicht mehr die Möglichkeit hatte, rechtzeitig auf den anderen Bus um zu steigen.
In meiner Mail standen Name, Adresse und Telefonnummer vermerkt, aber natürlich bevorzugte ich eine Antwort per Mail.
Diese Antwort kam wenige Stunden später, über den Inhalt war ich dann doch eher erstaunt: "Bitte teilen Sie uns Ihre Telefonnummer mit, damit wir Sie telefonisch kontaktieren können"

Ein weiteres Beispiel: 
Am Samstag hat es geschneit. Das ist nichts Aussergewöhnliches, aber aussergewöhnlich war, dass in unserer Strasse der Schnee zum wiederholten Mal nicht durch die Gemeinde geräumt wurde.

Mein Mann schrieb heute Morgen eine Mail an das für die Schneeräumung zuständige Tiefbauamt.
Sehr geehrte Damen und Herren

Obwohl die XYZstrasse zu den Strassen 2. Dringlichkeit gehört, wurde sie bei den letzten beiden Schneefällen NICHT geräumt.
Die Schneeräumung kehrte sowohl letzte Woche als auch am vergangenen Samstag (30.11.) nach der Räumung der ABCstrasse an der IJKstrasse um und liess die XYZstrasse aus.

Die meisten Bewohner der XYZstrasse haben daraufhin den Schnee selbst geräumt, aber vor der XYZstrasse 5 ist es gefährlich, dort liegt der Schnee, der mittlerweile vor allem eine spiegelglatte Eisschicht ist, noch immer.

Könnten Sie uns bitte mitteilen, ob sich an der 2. Dringlichkeit an der XYZstrasse etwas geändert hat oder ob wir einfach mehrmals vergessen wurden?

Freundliche Grüsse 

Ich ging davon aus, dass er wenige Stunden später eine Antwort erhalten würde. Weit gefehlt!
Um 14.15 Uhr klingelte es an unserer Haustüre. Da standen zwei Männer in Orange, einer davon hatte ein A4- Blatt in den Händen, er faltete das Blatt andächtig auseinander und sagte zu mir: "Sie haben uns einen Brief geschrieben....."
Ich stellte mich dumm und fragte: "Einen Brief? Ich? Wann?"
Der Herr zeigte auf die ausgedruckte Mail und sagte: "Hier, da steht es, Marco Tedaldi.... es ging um die Schneeräumung"
"Sehe ich so aus, als würde ich Marco heissen?", fragte ich, aber diese Frage wurde ignoriert.
"Wir haben den Schnee hier IMMER weggeräumt", war die Antwort.
Ich zeigte auf den mittlerweile eisbedeckten Strassenabschnitt vor dem Haus eines der Nachbarn, der im Gegensatz zu den anderen Hausbesitzern den Schnee immer liegen lässt. 
"Der Schnee liegt ja JETZT noch da, gut 2 Tage später. Wir haben gesehen, wie der Schneepflug nach der Räumung der oberen Strasse umkehrte und bei uns den Schnee liegen liess"
Nach dem Austausch weiterer Nettigkeiten verliessen die beiden Männer unseren Hauseingang. Das Ganze hatte mich fast 15 Minuten meiner Zeit gekostet!
Ich kann NICHT nachvollziehen, wieso gerade offizielle Stellen immer noch die Kommunikation per Telefon oder gar die persönliche Begegnung einer Kommunikation per Mail vorziehen.
Wenn ich eine Mail schreibe, darf ich doch davon ausgehen, dass ich mit meiner Art zu kommunizieren bereits angedeutet habe, welche Art ich bevorzuge.
Anrufe stören mich oft bei meinen Tätigkeiten. Manchmal stehe ich unter der Dusche, während das Telefon klingelt.Ich eile aus der Dusche, hab den Anruf meistens knapp verpasst, aber ich habe ja einen Beantworter. Ich schaue, ob da eine Nachricht hinterlassen wurde, was meistens nicht der Fall ist, und gehe zurück ins Bad. Kaum hab ich die Zahnbürste in den Händen, klingelt das Telefon erneut. So geht das manchmal mehrere Male, bis ich geduscht und parfümiert selbst zurück rufe.
Die Kommunikation per Mail hat in den allermeisten Fällen nur Vorteile. Ich lese die Mails, wenn ich Zeit habe. Sowohl VOR dem Senden als auch VOR dem Beantworten kann ich die Mail nochmals sacken lassen und eventuell überarbeiten. Zudem habe ich die volle Kontrolle darüber, welche Themen diskutiert werden, abschweifen ist eher die Ausnahme und falls dies doch einmal passieren sollte, gehe ich bei der Antwort auf diese Punkte einfach nicht ein. Bei der Mail habe ich die Aussagen schriftlich, was oft ein Vorteil sein kann, wenn Zugeständnisse / Versprechen gemacht wurden, auf die man später einmal zurückgreifen möchte. 

Ich glaube, Frau Merkel lag gar nicht so daneben mit ihrer Neulandaussage.



Montag, 30. September 2013

Quo vadis?

Laut neuesten Umfragen verbringen die heutigen Jugendlichen 3,5 Stunden täglich mit ihren Smartphones. Aktiv. Das heisst also: Die Smartphones werden jeden Tag durchschnittlich 3.5 Stunden benutzt.

Dass sie die restlichen 20.5 Stunden des Tages immer griffbereit liegen, ist anno 2013 eine Selbstverständlichkeit. Tag und Nacht erreichbar zu sein ist schon für 15 Jährige ganz normal. Das Smartphone geht mit ins Badezimmer, ins Schwimmbad und zum Musikunterricht. Während des Schulunterrichts muss das Smartphone lautlos in der Hosentasche bleiben - wer im Flur einer Schule sitzt, während die Jugendlichen in den kurzen Pausen das Schulzimmer wechseln, ist erstaunt, wie leise es da zu und her geht. Das Erste, was man beim Verlassen des Schulzimmers tut: Smartphone aus der Hosentasche nehmen, kurz über das Display wischen, Whatsapps checken. Denn mittlerweile wird das Telefon täglich nur noch während 13 Minuten für Anrufe und SMS verwendet. 

Die meiste Zeit - mehr als eine Stunde pro Tag - wird für das Lesen und Senden von Whatsapps aufgewendet. 
Weitere 44 Minuten verbringt die heutige Jugend mit Facebook, Netlog, Tumblr und Co - die restliche Zeit wird fürs Surfen und Spielen gebraucht.

So manche Eltern fragen sich, wohin das noch führen soll. 

Vor 30 Jahren war ich so alt wie meine Tochter heute. Wir hatten zuhause einen einzigen Telefonapparat. Mit Wählscheibe. Mein Vater nervte sich, wenn ich 15 Minuten nach der Heimkehr aus der Schule mit meinen Freundinnen telefonieren wollte. 
"Ihr habt euch den lieben langen Tag gesehen und seht euch morgen früh auch schon wieder. WAS habt ihr euch denn so Wichtiges zu erzählen?"

Ach Papa. Du verstehst aber auch gaaaar nichts.

Vor 30 Jahren machten sich meine Eltern ähnliche Gedanken wie ich sie heute mache. Doch nicht das olle Wählscheibentelefon (wohl aus taktischen Gründen im eiskalten Flur montiert)war bei uns das Dauerthema. 

Es war.....meine Lesesucht.

"Geh mal draussen spielen statt immer deine Nase in alle Bücher zu stecken", hörte ich mehrmals täglich. Meine Eltern fanden meine Vorliebe fürs Lesen alles andere als gut. Das Lesen unterfordert die Sinne, meinten sie. Draussen im Wald oder im Sand zu spielen sei doch viel besser, schöner, wertvoller als mit starrem Blick vor dem Papier zu sitzen. Sie hatten kein gutes Wort übrig für meine grosse Liebe, konnten absolut nicht nachvollziehen, was mich am monotonen Schwarz-Weiss faszinierte. 

Draussen spielen zu können war für meine Eltern das Paradies, das sie mir ermöglichten. "Wir konnten früher nicht draussen spielen, wir mussten nach der Schule arbeiten, im Haushalt helfen, kleine Geschwister betreuen"

Meine Eltern waren davon überzeugt, dass nicht nur die Sinne unterfordert seien, sondern auch der Körper verkümmern würde beim Lesen, denn dieses stundenlange Verharren in der gleichen Position sei bestimmt ungesund.

Da standen Sandkasten, Rutschbahn und Schaukel fast unbenutzt im Garten herum, stattdessen sass die Tochter still da und bewegte nur gelegentlich ein paar Gramm Papier von rechts nach links.
Ich hatte immer und überall ein Buch mit dabei, sei es im Schwimmbad, im Badezimmer, im Wartezimmer beim Augenarzt oder in der Schulmappe. Im Bett sowieso. So manches Mal habe ich Stunden nach dem offiziellen Lichterlöschen das Licht eingeschaltet, um weiterlesen zu können. 

Als wäre das alles noch nicht schlimm genug, litten in den Augen meiner Eltern auch meine sozialen Kontakte unter der Vielleserei. Das Buch isoliert ihrer Meinung nach den Menschen, denn der Lesende sitzt oder liegt in der Regel alleine im stillen Kämmerlein. Er trifft sich nicht mehr mit anderen, um etwas gemeinsam mit ihnen zu unternehmen.

Heute darf ich sagen, dass meine Eltern sich wohl vergeblich Sorgen machten. Ich wurde nicht zur Einzelgängerin, ich habe keine körperlichen Beschwerden und die dreidimensionale Welt wurde mir nicht völlig fremd. Lesen ist noch immer mein liebstes Hobby.

Aber heute verstehe ich ihre Bedenken. Wenigstens ein bisschen.




Freitag, 26. Juli 2013

Neuland?

Es war im März 1999, als ich mit einer Freundin im ICQ (kennt das noch jemand?) nach Leuten in meiner damaligen Stadt Zürich suchte. Wir hatten keine Lust, allein ins Kino zu gehen und wurden bei unserer Suche tatsächlich fündig.

Gross war die Ausbeute ja nicht gerade, und von den 5 Zürchern war nur einer online. Er nannte sich "Teddy" und dieser Nickname war für mich eigentlich schon Grund genug, ihn nicht an zu klicken. Männer, die sich nach Kuscheltieren benennen, sind entweder genauso behaart oder aber in einem Stadium, von denen ich schon drei liebenswerte Persönchen zuhause hatte.

Naja. Ich klickte ihn trotzdem an und fragte ihn, ob er Lust auf Kino habe.
"Sorry, ich gehe mit meinen Freunden aus", schrieb er zurück.
Ich war davon überzeugt, dass einer, der sich Teddy nennt, keine Freunde hat und wenn, dann höchstens ....eeh.... Kuscheltiere.

Meine Freundin und ich lachten und gingen allein ins Kino. Ich weiss noch genau, für welchen Film wir uns entschieden: "Shakespeare in love".

Zwei Tage später sass ich am PC und hörte das * AH OU *  ICQ Geräusch. 
Hmmm...da meldete sich doch tatsächlich dieser "Teddy".

"Hey sorry wegen Samstag, aber ich hatte echt schon etwas los"
Hmmm. Nett. 

"Darf ich dich etwas fragen? WIESO nennst du dich TEDDY?"

Er erklärte mir, dass sein Nachname Tedaldi lautete und dass ihn halt schon immer alle "Teddy" genannt hätten.
Aha. 

Nett. 

Irgendwie.

Teddy und ich chatteten den ganzen Abend. Und später chatteten wir nächtelang. Naja, nicht ganz. Als allein erziehende Mama von 3 Kindern hatte ich einen tollen, aber anstrengenden Job als Zeitungszustellerin. Morgens ab 3.15 Uhr. Kurz nach Mitternacht teilte ich "Teddy" also jeweils mit, dass ich Schluss machen müsse. Meinen frühmorgendlichen Job konnte ich ihm einige Wochen lang verschweigen. Er reagierte auf mein Geständnis dann genauso wie ich es befürchtet hatte: Er hörte um 22.00 Uhr zu chatten auf "damit du noch etwas Schlaf bekommst"

4 Monate nach unserem ersten ICQ-Kontakt trafen "Teddy" und ich uns im "echten" Leben. Ich hatte bei mir zuhause eine Chatparty organisiert. Ach ja, anno 1999 konnte man noch guten Gewissens die Wohnadresse in den Chat hineinschreiben. DAS waren noch Zeiten, es war eine tolle Party...ich lernte ganz nebenbei "Teddy" kennen und auch ganz viele andere Leute vom Chat, in dem ich mich damals regelmässig aufhielt.

Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Der aufmerksame Leser und die aufmerksame Leserin stellen mit einem Blick auf mein Profil fest, dass ich heute denselben Nachnamen trage wie "Teddy".......

Mittlerweile sind wir seit gut 13 Jahren glücklich verheiratet.

Zu unserer Hochzeit luden wir auch Leute ein, die wir noch niemals zuvor gesehen hatten. Teddys Eltern fanden das mehr als seltsam. Für uns aber war klar, dass wir unsere Onlinefreunde an unserem grossen Tag mit dabei haben wollten. Während wir die Hochzeitsreise in vollen Zügen genossen, wohnte eine kleine niederländische Familie in unserem Häuschen. Auch diese Mama mit ihren 2 Kindern hatte ich über eine Mailingliste kennen gelernt.

Irgendwann lernte ich Teunie kennen. Online. Teunie ist eine Niederländerin und in meinem Alter. Und das waren auch schon alle Gemeinsamkeiten.
Teunie hat 10 Kinder, ich habe 3.
Teunie ist mit ihrem Willem zusammen, seit sie 16 ist, ich lernte meinen Teddy erst mit 33 kennen.
Teunie ist orthodox reformiert, ich bin ziemlich liberal evangelisch.
Teunie hat keinen Garten, aber baut ihr Gemüse auf der Dachterasse und auf jedem freien Zentimeter rund ums Haus an. Und sie hält sich Bienen! Ich habe einen Gemüsegarten, aus dem ich viel zu wenig mache.
Teunie bäckt jedes Brot selbst. Jeden Kuchen, jeden Keks ... alles was an Backwaren auf den Tisch kommt. Ich backe regelmässig selbst Brot, aber nicht im Entferntesten so konsequent wie Teunie.

Teunie hat einen Blog, in dem sie über ihr Leben schreibt. Wie sie bewusst einfach lebt. Wir haben einige Jahre lang regelmässig gemailt, bis wir sie und ihre Grossfamilie 2010 in die Schweiz einluden. Die Kinder waren noch nie im Ausland gewesen und freuten sich riesig. Sie waren kaum über die NL Grenze als Willem schrieb: "Die Kinder sehen zum ersten Mal im Leben die Berge!"

Berge? 
Ah. 
Er meinte die Maulwurfhäufchen in Deutschland. 
Wartet nur....

Als die Grossfamilie spätabends im Dunkeln in Linthal ankam, war ich schon dort. Ich hatte Abendessen gekocht, den Kühlschrank gefüllt und eine NL Fahne ins Fenster gehängt. Teunie und ich sahen uns da zum ersten Mal und beide hatten wir vom ersten Moment an das Gefühl, uns schon immer zu kennen. Als die Kinder im Bett lagen, haben wir zwei bis tief in die Nacht zusammen gesprochen. 
Und sie sagte: "Heute Morgen dachte ich noch, wir fahren zu fremden Menschen. Und jetzt sag ich einer Freundin gute Nacht" 

Genauso fühlte es sich für mich an. 

Die Berge sahen die Kinder erst am nächsten Morgen. Was gibt es Schöneres als strahlende Kinderaugen?

So oft es nur irgendwie möglich ist, treffen wir Teunie und Willem mit ihrer Kinderschar. Ob in der Schweiz oder in den Niederlanden, wir fühlen uns in der jeweils anderen Familie wie zuhause. Willem und "Teddy" verstehen sich nämlich auch blendend. Und die Kinder auch. Da ist eine tiefe Freundschaft entstanden. 

Im Frühling 2010 war meine Tochter Svenja auf der Suche nach einer speziellen Handtasche. Diese Tasche gab es nur in den Niederlanden. Teunie geht nur wenn absolut nötig mal in die Stadt, also wollte ich sie nicht fragen. Aber ich fragte in meinem NL Blog nach, ob jemand vielleicht eine solche Tasche für mich kaufen würde. Es meldete sich eine Frau, Ria. Sie kaufte die Tasche und schickte sie zu uns in die Schweiz. Als wir einige Wochen später in den Niederlanden im Urlaub waren, schrieb Ria, dass sie ganz in der Nähe wohnen würde und dass sie und ihr Mann Piet uns gerne kennenlernen würden.

Die beiden besuchten uns im Ferienhäuschen. Es stellte sich heraus, dass ihre Tochter eine alte Bekannte von Teunie ist. Ria und Piet sind im Pensionsalter, wunderbare Menschen. Als Piet sah, dass Svenja massenhaft Muscheln gesammelt hatte, erklärte er ihr, wie die Muscheln alle heissen. Er war früher Biologielehrer gewesen, Svenja war fasziniert und während Ria und ich den ganzen Abend plauderten, gingen Piet, "Teddy" und Svenja Muscheln suchen. 
Seit diesem Sommerabend waren wir mehrmals in den Niederlanden- jedesmal übernachten wir mehrere Nächte bei Ria und Piet. Durch unser gemeinsames Hobby, der Genealogie, stellten wir fest, dass Piet und ich gemeinsame Vorfahren haben. Ria und Piet wohnen noch heute im Dorf, in dem viele meiner Vorfahren aufgewachsen sind.

Ich könnte noch 5 oder 6 ganz ähnliche Geschichten erzählen. Die Geschichte von Wendy zum Beispiel, deren Mann Feuerwehrmann ist und in deren Familie kurz vor Weihnachten 2011 alles drunter und drüber ging. Ich gab ihr den Rat, doch mal wieder Urlaub zu machen. Ach, wegfahren an Weihnachten ..... diese Tage in einem anonymen Hotel verbringen? Lieber nicht! 
Meine Liebsten und ich hatten zu dieser Zeit Urlaub in den Niederlanden geplant. Unsere Wohnung stand also leer...Wendy schrieb mir später: "Ich habe dich noch nie gesehen, aber ich habe schon in deinem Bettchen geschlafen und aus deinem Becherchen getrunken"
Wir lernten uns erst "richtig" kennen, nachdem unsere Familie 2 Wochen in Wendys Haus verbracht hatte.

Es gibt auch noch die Geschichte von Joel und jene von Gwendolyn. Auch diese lieben, wundervollen Frauen habe ich übers Internet kennengelernt. Und auch diese Frauen möchte ich in meinem Leben nicht mehr missen.

Morgen fahren wir in den Urlaub. Wieder kommen Teunie und ihre Familie mit uns in die Berge.
Morgen kommt NOCH jemand mit. Er heisst Shawn und ich hab ihn noch nie gesehen. "Teddy" hat ihn schon einmal getroffen. Kurz. Shawn kommt aus den USA und hat ab und zu beruflich in Zürich zu tun. Bei einem seiner letzten Besuche hatte er dort seine Toilettensachen im Hotel liegen gelassen. Das Paket mit Zahnbürste, Shampoo und Co landete bei uns zuhause. Nun ist Shawn wieder in der Schweiz, er wollte seine sieben Sachen am Wochenende bei uns in St. Gallen abholen. Schade eigentlich - am Wôchenende muss er nicht arbeiten, da könnte er doch gleich mit uns..... ja. Genau so.
Shawn wird morgen in Zürich zu uns in den Zug steigen und gemeinsam mit uns in die Berge fahren. Wir freuen uns schon sehr auf diese Begegnung. 

Frau Merkel sagte vor rund einem Monat: "Das Internet ist für uns alle Neuland."

Liebe Frau Merkel. Ich weiss nicht, wo Sie die letzten 18 Jahre gelebt haben. In dieser Zeit habe ich unzählige wertvolle Freundschaften geschlossen. 
Ich habe meinen Mann kennen gelernt viele und andere Menschen, die mein Leben geprägt haben. Die mein Leben farbiger gemacht haben. 



Abseits der Eitelkeiten

-fallen die Fassaden
-werden Masken abgenommen
-zählen Statussymbole nichts
-können wir Beachtung nicht kaufen
-kommen wir uns wieder näher.

Abseits der Eitelkeiten
wärmt uns das Feuer
der Mitmenschlichkeit.


(Kristiane Allert-Wybranietz)






...Mensch: Du bist geschaffen 
nach dem Bild eines Gottes, 
der Liebe ist. 
Mit Händen, um zu geben, 
mit einem Herzen, 
um zu lieben, 
und mit zwei Armen- 
die sind gerade so lang, 
um einen anderen zu umarmen.


                                        (Phil Bosmans)





Donnerstag, 25. Juli 2013

die ganz grosse Liebe

Manchmal zähl ich morgens die Rücken meiner Liebsten. Es sind viele. Sehr viele.

Und sie vermehren sich manchmal. Ganz plötzlich über Nacht sind einige der kleinen Lücken verschwunden.


Ich liebe Bücher seit ich lesen kann. Und eigentlich auch vorher schon, da meine allerliebste Oma sich oft die Zeit für mich nahm und mir vorlas. Diese Zeiten mit Oma gehören zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen.
Auf Omas Schoss zu sitzen, mich in sie hinein zu kuscheln und ihre liebevolle, sanfte Stimme zu hören - jetzt, wo ich das so schreibe, kann ich ihr Kölnisch Wasser fast schon riechen und der Duft vermischt sich wie vor 45 Jahren mit jenem ihrer Haare und ihres Wohnzimmers.



Meine liebste Oma war es auch, die mich schon früh lehrte, den Büchern Sorge zu tragen. Während des 2. Weltkrieges hat sie, die in den Niederlanden wohnt, zusammen mit meinem lieben Opa sieben Juden ein Zuhause geboten - sofern man einen kleinen, feuchten Keller denn überhaupt "Zuhause" nennen kann. In
dieser Zeit hatten meine Grosseltern selbst schon einige Kinder und mussten wirklich mit wenig Mitteln auskommen. Oma hat noch immer die Kinderbücher aus dieser Zeit - die Kinderbücher, die die kleine Judith genau so in den Händen halten durfte wie später meine eigene Mutter und deren Geschwister und wie Jahre später auch meine Cousins, Cousinen, meine Schwester und ich.

Wenn ich Oma heute besuche, frage ich immer nach diesen Büchern. Ich streichle ihre Seiten, wie wenn ein Stück meiner Kindheit darin verborgen liegen würde. Noch immer kenne ich die Geschichten auswändig.
Sie auch.

Sie wird in einigen Wochen 105 Jahre alt.

Bücher sind meine ganz grosse Liebe. In meinem Leben gab es so manche Masche. Es gab eine Windowcolorzeit, eine Serviettentechnikzeit, eine Scrapzeit, eine Ichtragebirkenstockinallenfarbenzeit ... all diese Beschäftigungen und Sachen haben mir viel Spass gemacht, aber alles war nur eine Phase. Geblieben sind meine Bücher.

Dass in unserer Familie alle gerne lesen, macht mich richtig glücklich. Klar gehen wir manchmal wandern oder picknicken. Ins Kino oder in den hauseigenen Garten. Klar spielen und basteln wir regelmässig. Bei uns zuhause wird auch viel gesungen und musiziert. Aber so richtig glücklich bin ich, wenn ich mit einem Buch auf dem Sofa liege, um mich schaue und links und rechts  Mann und Töchter sehe, ganz vertieft in einem Buch. Die Jungs sind schon zuhause ausgezogen, aber auch sie haben stattliche Bücherregale. Wunderschön.

Es gibt Bücher, die mich so fesseln, dass ich darin lese, während ich warten muss, bis das Bügeleisen heiss ist. Manchmal lebe ich so sehr IN und MIT dem Buch, dass ich verstört aufschaue, wenn das Telefon klingelt. "Was ist das? Ein Telefon? Das gibts ja noch gar nicht im Mittelalter!" Oh warte. Es ist 2013 und ich bin zuhause und nicht in einer pestverseuchten Stadt.

Manchmal fragen mich die Leute nach meinem Lieblingsbuch. Und da muss ich dann passen. Es gibt so viele tolle, wunderschöne, spannende Bücher. Wenn ich ein Lieblingsbuch nennen müsste, würde ich all den anderen tollen Autoren nicht gerecht werden, die mehr oder weniger zufällig nicht das genannte Buch aber dafür ein genauso schönes, spannendes, fesselndes, anderes Buch geschrieben haben.

Bücher sind meine ganz grosse Liebe. Hoffentlich für immer.

PS: Auf dem Foto sind nicht alle meine Bücher drauf. Da fehlt mir ein Weitwinkelobjektiv:) Zudem haben wir in allen Zimmern Bücher. Ausser auf dem Klo. Da beeile ich mich aber auch immer, weil ich ganz schnell weiterlesen möchte.



Dienstag, 9. Juli 2013

Aus den Träumen des Frühlings....

...wird im Herbst Marmelade gemacht. Dieses Zitat von Peter Bamm gefällt mir sehr gut und während ich darüber nachdachte, las ich heute Morgen diesen Blog.

Die Gedanken von Fatima passen genau zum Zitat .... passen genau zu meinen Gedanken. Träume und Ziele zu haben ist schön. Ist wichtig. Und so oft gehen unsere Träume im anstrengenden, ausgefüllten Alltag unter.

Fatima teilte 3 ihrer Träume mit ihren Lesern und Leserinnen. Die Liste meiner Träume, Wünsche und Ziele ist lang, aber ich werde auch drei davon teilen.

Der erste Traum:





Nicht dass ich nicht auch ohne Wohnwagen schon glücklich wäre oder glücklich sein könnte. Aber mein grosser Traum ist es wirklich, einen alten Wohnwagen wieder schön zu machen und ihn als Gäste / Lese / Bastelzimmer in den Garten zu stellen. Es darf auch ein Bauwagen sein.
Ein paar passende Bilder zu meinem Traum:







Bilder von inspiredcamping.com

Traum Nummer zwei: Einen Nähkurs besuchen und die eigenen Kleider nähen. Die eigenen Kleider in meinem Stil - in Weiss- Grau - und Lilatönen. Aus natürlichen Materialien, mit viel Leinen.

Das hört sich ganz einfach an, ist es aber nicht. Ich habe ein wahres Nähtrauma. Damit daraus ein Traum werden kann, müssen noch einige Schritte getan werden. Aber SO stelle ich mir das dann einmal vor:






Bilder via pinterest.com


Ein weiterer Traum: Den Garten so auf Vordermannn bringen, dass ich frühmorgens die Arbeit erledigen und den Rest vom Tag den Garten einfach nur geniessen kann. 
Etwa so:

Quelle: plantago.ch



Quelle: wohnen-und-garten.de

Die ersten Schritte zu diesen drei Träumen habe ich ja bereits gemacht. Ich sammle Stoffe, Möbel und Dekomaterial für meinen Wohnwagentraum, Stoffe und Schnittmuster für den Nähtraum...und seit 4 Monaten dürfen meine Familie und ich in einem kleinen, aber feinen, alten Häuschen wohnen - MIT Garten, in dem zur Zeit vor allem ganz viel Arbeit auf uns wartet.

Und .... wie sehen Ihre Träume aus?



Sonntag, 7. Juli 2013

Die ganz normale, alljährliche Massenhysterie

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich möchte auf keinen einzigen Ferientag verzichten und auch kein Plädoyer für ein ferienloses Leben halten. 


Manchmal frage ich mich aber ernsthaft, ob die ganze Hysterie um das Thema Urlaub noch normal ist. Und gesund. 
Dieser Urlaubstrieb. Oder Urlaubszwang oder wie immer man das, was da jährlich wieder über die Bühne geht, nennen möchte.
Was geschieht da eigentlich mit uns, immer bevor "die Ferienzeit" anbricht? 
Menschen, denen im täglichen Leben schon kleinste Veränderungen oder Abweichungen vom Alltagstrott Probleme bereiten, schmeissen plötzlich all ihre Überzeugungen über Bord und stürzen sich in das Unbekannte - und das auch noch gleichzeitig mit Tausenden und Abertausenden, für die ebenfalls zufällig gerade "die Ferienzeit" beginnt.
Menschen, die zuhause ohne ihre Kaffeekapsel zu nichts fähig sind, die selbst für Kurzstrecken das Auto nehmen, die sich wöchentlich professionell maniküren lassen und im Bad jeden Morgen mindestens eine halbe Stunde für die Fassadenrenovation benötigen, können wie auf Kommando "Aaaaaachtung, Urlaub!" auf all diese Annehmlichkeiten und Gewohnheiten verzichten - und das auch noch freiwillig. 
So rasch wie nur möglich verlassen sie Haus und Herd. In allerbester Stimmung. Fast schon euphorisch.
Einmal vor Ort mühen sie sich damit ab, grosszügig und freundlich rüber zu kommen.  
Es ist wieder Ferienzeit. 
Natürlich hat jedes Volk das Recht auf eine heilige Kuh. 
Vielleicht sorgt das für ein gutes Gefühl ausserhalb der Ferienzeit. 
Für ein Urlaubsgefühl im Alltag.








Mit dem Fanatismus durchgedrehter Lemminge ziehen sie an Orte, die sie noch nicht kennen.  

Immer wieder toll - und cool für die Fotos auf Facebook -  exotische Menschen kennen zu lernen  - und wenn  es nur der lustige Kellner mit den Rastazöpfchen oder der leidenschaftliche, bunt angezogene Trommler aus der Hotelbar ist. 
Der Taxifahrer mit den gelben Zähnen. Die Hotelswimmingpoolaufsicht, die zuhause wahrscheinlich nicht mal eine Dusche hat.
Oft Menschen, über die man in der Heimat bloss die Nase rümpft.
Man könnte ja auch zuhause exotische Kontakte knüpfen. Einen Mittagstisch für Asylsuchende besuchen oder bei einem Sprachkurs für somalische Frauen reinschauen. All das gibt es  vor der Haustüre.
Aber nein, ausserhalb der Ferienzeit bewegt man sich lieber in den eigenen Kreisen. 


Aber vielleicht können wir die Liebe zu den fernen Ländern etwas näher an uns heranlassen. Dann, wenn keine Ferienzeit ist. Das ganze Jahr hindurch den Spanier an der Bushaltestelle freundlich anlächeln. Die Bustüre offenhalten, wenn die Türkin mit wehenden Kleidern und 3 kleinen Kindern fast den Bus verpasst. 
Das ganze Jahr so grosszügig und zuvorkommend sein, wir wir es in der Heimat dieser Menschen während der Ferienzeit sind und uns für ihre Kultur und ihre Traditionen interessieren.









Samstag, 6. Juli 2013

Ein Duett


Vor einiger Zeit sah ich im Fernsehen einen Beitrag über ein Ehepaar, das seit 30 Jahren im Partnerlook durchs Leben geht. 




Jedes Kleid von Joey kann Mel mit einer passenden Krawatte im gleichen Muster kombinieren. Oft sind sogar Bluse und Hemd aus Stoffen mit identischem Muster. Die beiden haben insgesamt 146 Outfits. 
Ich fragte mich, ob der Partnerlook auch in der Schweiz existiert. Und ja, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, trifft man immer mal wieder auf Leute, die auch ausserhalb von Fussballclubs und Detailhandel gleich oder zumindest sehr ähnlich gekleidet sind. 
Kürzlich sah ich so ein Ehepaar. Er und sie trugen genau dieselben Jogginghosen und T-Shirts, identische Schuhe und ganz ähnliche Brillen. Über die Schulter trugen beide dieselbe Einkaufstasche aus Stoff und sogar die Frisuren sahen sich so ähnlich, dass ich nachschauen musste, ob es sich bei diesen Menschen wirklich um Mann und Frau handelt.
Ich bin ja manchmal ein kleines bisschen schüchtern. Wäre dies nicht der Fall, hätte ich die beiden doch ganz gerne gefragt, wie ihr Alltag so aussieht. Ob sie sich nur auf dem Campingplatz im Partnerlook präsentieren oder dies auch im Arbeitsleben und im Freundeskreis tun. Und wenn ja, wie sie dies praktizieren. Ob sie am Vorabend absprechen, welche Kleider sie am nächsten Tag tragen werden oder ob einmal Er und einmal Sie bestimmen darf. Ob sie denselben Optiker und Friseur haben und falls ja, ob sie nebeneinander im Friseurstuhl Platz nehmen oder nacheinander.
Und was mich auch interessiert, aber ich NIE zu fragen wagen würde: Ob sie vielleicht auch dieselbe Nachtwäsche tragen.
Die Wege der beiden trennten sich - er öffnete die Herrentoilettentüre und sie das weibliche Pendent.
Ich blieb stehen und staunte. So synchron waren ihre Bewegungen, sie öffneten diese Türen mit den genau gleichen Bewegungen und genau in demselben Moment. 
Während ich mir noch ein paar Gedanken machte, kamen beide auch gleichzeitig wieder aus den jeweiligen Toiletten heraus. Ich schaute ernsthaft, ob sich vielleicht irgendwo eine versteckte Kamera befinden könnte. "Das ist ja wie beim Synchronschwimmen", dachte ich mir. Das Paar ging aufeinander zu, sprach kurz miteinander, fasste sich gleichzeitig an den Händen und ging im Gleichschritt zurück zum Zelt. 
Neugierig ging ich mit genügend Anstand hinter das Paar her. Ich hörte, wie sie miteinander sprachen.
"Schau mal....." "Oh ja...dieser Hund..." "Soooo lustig" "Jaa"
Auch das noch. Nicht nur identisch gekleidet, frisiert und bebrillt, sondern auch in Gedanken ganz auf einer Linie. Wie wenn er ihre Gedanken würde lesen können und sie seine. 
Interessant.
Mein Mann und ich kleiden uns unterschiedlich. Er hat viele Haare und ich eher wenige.Wir tragen zwar beide eine Brille, aber meine kommt von Fielmann und seine vom Designer. Das mit denselben Gedanken in einem bestimmten Moment, ja das gibt es bei uns oft auch. Allerdings passiert es genauso oft, dass er mich auf etwas hinweist und ich nur "hmmmm" sage und weiterlese.
Wie versteinert blieb ich stehen als der Partnerlookmann zu seiner Frau sagt: "Lise, du frierst auch, gell"  und beide wie auf Kommando ihre Windjacken aus der Tasche hervorholen.



Ich hielt das alles nicht mehr aus. Ich lief zurück zu unserem Zelt und wusste ganz sicher, dass mein Mann mich fragen würde, wo ich denn so lange geblieben sei und ob die Damentoilette mal wieder überfüllt war. Ich würde ihm erklären, dass ich noch nicht mal auf der Toilette war und wir würden uns darüber unterhalten, wie unlogisch ich doch sei und wie logisch er. 

Und ich hatte plötzlich grosse Lust auf dieses bisschen Individualität.


Freitag, 5. Juli 2013

BH-Gespräche

Kürzlich gelesen auf Twitter:

schreib einen ernstgemeinten, politisch motivierten tweet und du verlierst 5 follower. schreib über deine brüste und du gewinnst 20 (Zitat von die nähdrescherin)

Vielleicht denken Sie nun, dass es also ein genialer Schachzug von mir war, beim ersten Blogeintrag über BHs zu schreiben und so auf einfache Art und Weise die ersten Jünger Folger  für meinen Blog zu gewinnen. Ganz so berechnend bin ich nicht. Das Thema war in meinem Freundeskreis (ja so etwas habe ich tatsächlich!) gerade aktuell und ich frage mich, ob .....

Zum Thema. Frage: Liegt es an den Frauen in meinem Freundeskreis, oder sprechen ALLE Frauen - also auch Frauen in anderen Freundeskreisen- andauernd über ihre BH-Probleme?

Gestern war es wieder so weit. Nichtsahnend hatte ich mich auf einen Spaziergang mit Freundinnen gefreut.
Kaum waren wir unterwegs, sagte Gabi, während sie die typische Jetztkommichgleichaufdasthemabhszusprechen-Bewegung (die rechte Schulter hochziehen und gleichzeitig den Ellbogen über die rechte Brust und über die Rippengegend ziehen) machte: "Ach du Scheisse, sorry Mädels, aber das Ding kneift"

Keine der anwesenden Damen stellte Fragen. Alle wussten sofort, worum es ging und was los war.
Kneifende, klemmende, einengende, einschnürende, zwickende, drückende BHs scheinen ein häufig vorkommendes Problem zu sein.
Ich frage mich ernsthaft, ob es an meinem Freundeskreis liegt oder ob andere Frauen dieses Problem auch kennen. Schliesslich gibt es weder Songs zu diesem Thema (My Bra Hurts So Much) noch wurden Bücher darüber geschrieben (Der kneifende BH, 40 Lösungen zu einem schwerwiegenden Thema). Es finden keine Kongresse zu diesem grossen BH-Mysterium statt und ich habe auch noch nie gelesen, dass es Selbsthilfegruppen ("Ich heisse Wilma und kaufe immer kneifende BHs") oder Workshops ("Nie wieder knellende BHs, in 10 Schritten zum Erfolg") gäbe.

"Ich hab`s längst aufgegeben, einen wirklich passenden BH zu finden" erwiderte Carla, bei der - sorry meine Liebe - gar nicht so viel Material vorhanden ist, das in die Körbchen gezwängt werden muss.
"Ich glaubte, endlich den passenden BH gefunden zu haben, aber nach dem ersten Waschen..." seufzte Anita entmutigt.

"Wisst ihr was das Problem ist?", fragte Hanna ohne irgend eine Antwort zu erwarten. "Das Personal! Nirgends, nicht in einem einzigen Laden gibt es Verkäuferinnen, die mal richtig Mass nehmen und dann den perfekt sitzenden BH anschleppen"

"Genau. Das wäre wohl die Lösung. Eine erfahrene, ältere Verkäuferin, die schon zehntausend Brüste gesehen hat und beim ersten Blick deine Grösse erkennt", stimmte Gabi zu.

"Wow. Das wäre cool. Ein Blick .... 80D. Ein Blick .... 70A. Hopp, ein Blick... 75B", grinste Anita.

Ich war ungewöhnlich still. Auf eine erfahrene, ältere Verkäuferin, die schon zehntausend Brüste gesehen hat und mit einem Blick meine BH-Grösse erkennt, kann ich so was von verzichten. Da nehm ich doch lieber ab und zu einen einschnürenden BH in Kauf.

Ich lächelte und Gabi triumphierte:. "Ha! Dich kitzelt dein BH, du hast gerade so gequält gegrinst"

Nein. Ich musste gerade an einen Deutsch - Test meines Sohnes denken. Schon einige Jahre ist es her, da war das Thema in seiner Schule: "Sprichwörter und Redewendungen" und er musste die Sätze vervollständigen.

"Wer A sagt ....."

....."hat kleine Brüste".

Schrieb er.